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1. Wein- und Gastro-Törn auf dem Canal du Midi

Mit 2 großen Hausbooten und 12 Teilnehmern inklusive eines Fernsehteams für die Sendung "Fernweh" waren wir zu unserem ersten Wein- und Gastrotörn auf dem Canal du Midi Ende Juni 2010 unterwegs. Hier ein Bericht und Fotos, die auch heute noch Interessierten als Anregung und Information zur Gestaltung eines besonderen, erlebnisreichen Hausboot-Törns dienen können.

Encassan Boot

Impressionen vom ersten "Genießer-Törn" mit Hausbooten auf dem  Canal du Midi finden Sie in unserer Bildergalerie.

Südfrankreich Ende Juni stellt man sich ein wenig anders vor als 15° Celsius am Nachmittag mit grauen Wolken und böigen Regenschauern. Die Ankunft in Toulouse wirft die Frage auf, wie genussreich ein Genießertörn in Frankreich werden kann, auch wenn die Hausboote auf dem Canal du Midi mit einer Dieselheizung ausgestattet sind, die geprüfterweise die Kabinen und das schwimmende Wohnzimmer rasch auf angenehme Temperaturen bringen können. Schließlich wollen wir die „Terrasse“ der Schiffe nutzen, die platanenbestandenen Wasseralleen des Kanals und die Schleusen des 17. Jahrhunderts dieses Weltkulturerbes nicht in wasser- und winddichter Schutzkleidung erleben.

In der Basis unseres Hausboot-Partners von Locaboat in Argens Minervois (im Languedoc, nicht sehr weit vom Mittelmeer entfernt) sind die beiden 15m-Schiffe schnell übernommen, und beide Crews suchen Schutz vor Wind und Kälte bei einer kleinen Begrüßung auf „Midi 2“ mit einem Wein unseres jungen Önologen André Bélard aus dem Wallis, der uns geholfen hat, das Programm dieses Genießertörns fachkundig mit seinen französischen Kontakten zu den Weingütern der Strecke zusammenzustellen. Zuvor haben die Skipper und interessierten Crewmitglieder noch rasch eine praktische Einweisung auf einer der beiden 1500 FB (Flybridge) unternommen inkl. eines spannenden Wendemanövers bei starken Seitenwind, etwas schwachen Motoren, einer sehr indirekten Steuerung und 15 Metern Schiffslänge bei 16 Metern Kanalbreite. Immerhin gibt es ein Bugstrahlruder, das ein wenig hilft, aktiv die Richtung zu bestimmen, in die man das Schiff bewegen möchte.

Anstatt auf der Terrasse am Kanal unser erstes Abendessen einzunehmen, verspeisen wir die landestypische Ente im Innern des ein wenig eigenwilligen aber netten „Sourire de Grenouille“ (Lachen des Frosches) wenige Fußminuten vom Schiff entfernt. Die kredenzten Weine laden dazu ein, gleich den ersten Karton der einheimischen Produktion zu erwerben, zumal der benachbarte Winzer –zufällig?- auch im Lokal weilt. So ist das weitere Abendprogramm an Bord der Midi 2 für die noch nachtaktiven Crewmitglieder gesichert, man lernt sich untereinander kennen und schmiedet erste Pläne für das gemeinsame Abenteuer.

Zum Einkaufen hatten wir keine Zeit, zum Frühstück zubereiten auch keine Lust, zumal wir für einen Urlaubssonntag relativ früh gegen 8:30h ablegen wollten. So hatte André die kleine Bar in der Basis überredet, doch für unsere 12 Kanalschiffer ein erstes Frühstück zuzubereiten. Und welch Wunder, entgegen allen Wetterprognosen gab es blauen Himmel und Sonnenschein zum Croissant bei einem Frühstück an langer Tafel direkt am Wasser bei starkem Gegenwind.

Bei böigen 6 Windstärken und mehr quer zur Fahrrichtung stellt man fest, dass ein Hausboot dieser Größenordnung auch ohne Mast manchmal mehr dem Wind gehorcht als dem Ruder, Reffen wäre nur durch Öffnen aller Fenster möglich, aber dazu war es zu kalt. Volle Fahrt voraus ist angesagt, um die Richtung zu halten, aber die Maximalgeschwindigkeit ist 8 km/h, und als Anfänger ist selbst diese Geschwindigkeit beim Einfädeln in enge Schleusen oder engen Brückendurchfahrten schon zuviel. Wer abbremst, riskiert dem windabgewandten Ufer zu nahe zu kommen oder die enge Durchfahrt nicht im ersten Anlauf zu schaffen. Also kurz gesagt, der erste Tag bietet ein Intensivtraining für die Steuerleute, einen Härtetest für das Bugstrahlruder, Ablegemanöver mit Eindampfen in die Spring und somit reichhaltige Kurzweil.
Nach nur 5 km Kanalstrecke, aber vielen Schleusen, erreichen wir gegen 11 Uhr das kleine Örtchen Hombs direkt am Kanal, wo wir in einem sehr schön renovierten Gebäude der Winzervereinigung eine erste Weinprobe und „Initiation“ geboten bekommen, bei der auch ungeübte die wesentlichen Schritte einer Weinverkostung und Weinbeurteilung von einem jungen, engagierten Franzosen lernen konnten.

Gut vorbereitet auf diese Weise für die nächsten Tage geht es dann weiter in Richtung Nord-Ost, allerdings erreichen wir aufgrund der Mittagspausen der Schleusenwärter (12:30-13:30h) vor Schleusenschluss um 19 Uhr nicht mehr Trébes, sondern machen zwischen anderen Hausbooten und Segelyachten mit gelegten Masten am Ufer von Marseillette fest. Mit einem kräftigen Hammer schlagen wir die großen „Hausboot-Heringe“ in den Wiesenboden, denn die Boote dürfen nicht an den schattenspendenden Bäumen angebunden werden.
Zum Welcome-Essen werden wir mit Taxis in das nahe „Château de Floure“ durch die weitläufigen Weinberge am Ufer gefahren. In den stilvoll hergerichteten Gebäuden, die vor etlichen hundert Jahren ein Kloster beherbergt hatten, gibt es dann nach einem üppigen Vorspeisenteller das berühmte „Cassoulet“, ein regionales kräftiges Gericht aus Bohnen, Ente, Wurst, Schwein und vielen anderen Zutaten in einem großen Tontopf nach Rezept von „Aunt Adelaide“. Bei den kredenzten Weinen können wir gleich unsere am Mittag erworbene Kenntnisse anwenden, bevor es weiter zur Crème Brulée geht. An Bord der Schiffe dann noch eine kleine „Nachbesprechung“ bei guten Weinen, die aber nicht zu lange geht, da wir am nächsten Morgen frühzeitig zur nächsten Schleuse aufbrechen wollen (ein Teil der Crews darf länger schlafen), denn schon wieder wartet ein attraktives Programm aus uns:
Um 10:30 Uhr bei Sonnenschein erreichen wir das nette Örtchen Trébes, das sich nach einer spannenden 3-fach-Schleuse um den Kanal herum drapiert. Wir finden Platz längsseits direkt am Quai mit kleinen Restaurants, deren Tische und Stühle direkt vor unseren Schiffen stehen. Zunächst aber ist eine kleine sportliche Radtour angesagt durch die Weinberge zum „Château Canet“, wo uns ein gut deutsch sprechender Winzer seine Keller, Fässer, moderne und traditionelle Produktionstechnik zeigt und wir 6 seiner interessantesten Weine verkosten dürfen. Natürlich bleibt nicht aus, dass wir davon einiges für unser Boot erwerben, und zum Glück hat ein Teil der Crew den Weg per Taxi gemacht, sodaß wir ohne den Weinballast –jetzt mit Rückenwind und die Hügel hinab- wieder rasch an den Booten –und den Restaurants- zurück sind, wo wir uns für die Weiterfahrt stärken.

Die weitere Strecke ist nur noch kurz, und so treffen wir bereits am Nachmittag in Carcassonne ein, wo wir einen sehr schönen Platz direkt in der Stadt längsseit an einer parkähnlichen Anlage mit Wasser- und Stromanschluss finden (Liegegebühr 27 Euro für 7 Personen inkl. Wasser und Strom für ein 15m Boot).

Natürlich geht es dann einen sehr schönen Weg durch die Fußgängerzone, weiter über die „Aude“ hinauf zur „Cité“, der mittelalterlichen befestigten Stadt mit ihren vielen Wehrtürmen und kilometerlangen begehbaren inneren und äußeren Stadtmauern. Für den Abstieg nach dem Abendessen teilt sich die Gruppe in Fußgänger und Taxifahrer, aber es ist klar, dass man die Stadt am nächsten Tag nochmals ausführlich erleben muss.

Nicht nur der historische Teil hat es den Teilnehmern angetan, sondern auch im unteren Stadtzentrum gibt es viel zu sehen. Insbesondere der Wochenmarkt und die Markthalle, kleine Cafés locken am nächsten Morgen. Nach der Mittagspause der hübschen jungen Schleusenwärterin geht unsere Fahrt dann weiter.

Als nächsten Stop haben wir uns das kleine Dorf Bram auserwählt. Hier gibt es an einer Brücke einen kleinen romantischen „Hafen“ mit ein paar wenigen Booten und einem kleinen Restaurant am Kanal, bei dem wir gleich das Frühstück draußen für den nächsten Morgen bestellen. Für das Abendessen radeln wir jedoch die knapp 2 km ins Dorf, das für seinen kreisrunden mittelalterlichen Dorfkern bekannt ist, aber ansonsten recht ausgestorben wirkt. Das Wetter erlaubt uns heute, in der einzigen offenen Dorfkneipe auch draußen zu speisen.

Am nächsten Morgen hat der Wind endlich nachgelassen und in Kombination mit wärmeren Temperaturen und blauem Himmel setzen wir unsere Fahrt fort, um ein weiteres attraktives Ziel zu erreichen, Castelnaudary. Zuvor müssen wir eine Vierfach-Schleuse „erklimmen“, um dann durch ein see-artiges großes Hafenbecken inmitten der Stadt an unseren Kanal-Quai zu gelangen, an dem unser nächstest Wein- und Gastroabenteuer auf uns wartet: Im „Cave du Canal“ gibt es 4 landestypische Weine mit den jeweils dazu passenden Spezialitäten zu verkosten: Käse aller Arten, Wurst und Schinken aus der regionalen Produktion.

Was eigentlich als Probe gedacht war, erwies sich rasch als volles Abendessen, das wir gar nicht bewältigen konnten, die Weinflaschen gab uns der nette Wirt mit an Bord, die wir noch durch weitere Exemplare seines Weinladens (ca. 150 verschiedene wurden angeboten) ergänzten.

Auch sorgte wieder eine nette Hafenkapitänin für unsere Boote in einem ganz neuen Office mit modernen Duschen und neuer Infrastruktur am modernen Kai. Die Liegegebühren inkl. Strom, Wasser (bis 1.000 Liter) und durchgängig offenen Duschen betrugen nur 13 Euro/Boot. Für die zweite Nacht reduzieren diese Kosten auf nur 11 Euro. Dass wir dieses Angebot am nächsten Tag annahmen und entgegen unserem Plan noch einen weiteren Tag in Castelnaudary blieben, lag allerdings nicht an diesen günstigen Bedingungen oder an der netten Dame, sondern daran, dass am Donnerstag die Schleusenwärter in einen Streik traten im Zusammenhang mit den französischen Diskussionen um eine Verlängerung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre.

Durch Telefonate erfuhren wir, dass die zwei nächsten Schleusenwärter zwar nicht am Streik teilnahmen, aber wir wären dann mitten in der Landschaft „hängengeblieben“, und nachdem die Teilnehmer einhellig die lokale Küche den eigenen Kochkünsten an Bord vorzogen, war die Entscheidung rasch gefallen, den nächsten Tag noch in diesem interessanten Ort zu verbringen. Am Donnerstagmorgen war ohnehin noch eine aufschlussreiche Führung vom Fremdenverkehrsbüro vorgesehen zur Geschichte des Kanals. So erfuhren wir mehr über dieses geniale Bauvorhaben aus dem 17. Jahrhundert (damals die größte Baustelle Europas mit 12.000 Arbeitern und Arbeiterinnen), seinen „Erfinder“ und Organisator Riquet, Ludwig den XIV und viele Details. Einiges davon ist hier nachzulesen bei Wikipedia und in Kürze werden wir an dieser Stelle weitere Informationen für Interessierte zum Canal du Midi zur Verfügung stellen.

Den Nachmittag nutzten die Teilnehmer zu Ausflügen per Fahrrad oder Bummeln entlang der Cafés und Läden, durch kleine Gassen der historischen Altstadt oder zu der renovierten Mühle am oberen Stadtrand mit herrlichem Blick über die Felder und auf die Stätten früherer wichtiger Schlachten aus den Kriegen des 13. Jahrhunderts aus der Zeit der Catharer. Am Abend finden sich wieder alle zusammen zu einem gemeinsamen Abendessen in der Stadt.
Am Freitagmorgen starten wir wieder so früh wie möglich, da wir durch den Streik nun die Strecke von 2 Tagen bis zum Abend bewältigen müssen, und wir möchten pünktlich sein, da wir für den letzten Abend ein besonderes Essen und eine letzte Weinprobe als gemeinsamen Abschluss organisiert haben.
Unterwegs kommen wir an der 190m über dem Meeresspiegel gelegenen Wasserscheide des Kanals zwischen Mittelmeer und Atlantik vorbei. Die Schleuse „Mediterranée“ ist die letzte Schleuse, die wir aufwärts schleusen, und die Schleuse „Ocean“ schleusen wir zum ersten Mal abwärts, denn jetzt geht es hinunter Richtung Atlantik. Hier nutzen wir die Mittagspause der Schleusenwärter, um bei Narouze das große Wasserbecken zu besichtigen, in dem Riquet 5 Flüsse aus den Montagne Noir zusammenführte, um den notwendigen Wasserbedarfs des Kanals in sein Bauwerk einzuspeisen und damit die wichtigste Voraussetzung für den Kanalbau überhaupt schaffte. Heute findet sich hier ein wunderschöner Park mit altem Baumbestand aus Platanen, Zedern und anderen Gewächsen.

Nur ein wenig weiter kommenbei Port Lauragais drei wichtige Verkehrswege zusammen: neben der nahen Bahnstrecke findet sich auf der Halbinsel des kleinen Hafens eine Autobahnraststätte und daneben ein interessantes kleines Museum zur Geschichte des Kanals. Ein kurzer Stop ist noch drin, dann geht es mit der gemächlichen Maximalgeschwindigkeit weiter zur Abschlussbasis von Locaboat, Négra, eigentlich nur eine Schleuse mit einer Handvoll Häuser drumherum und eine kleine „Kanal-Kapelle“. Wir liegen mit beiden Booten hintereinander längsseits am Wiesenufer mit dem Treidelpfad und einer Doppelreihe Platanen, unter denen wir im Freien rasch mit Tisch und Stühlen unserer Hausboot-Terrassen die Voraussetzungen für ein idyllisches Abschlussmahl und vorangehende Weinprobe mitten in der Natur schaffen. Bis spät in die laue Nacht hinein wird geschmaust, der Winzer und Stefanie von Catering Serice erläutern, was uns so gut schmeckt und wir lassen die erlebnisreichen Tage noch einmal gemeinsam Revue passieren.

Am nächsten Morgen gibt es dann noch ein frühes Frühstück, die Rückgabe der Boote ist rasch und unkompliziert, zumal wir das Inklusiv-Paket mit Dieselpauschale, Endreinigung und Kautionsabgeltung gebucht haben. Danach reisen die Teilnehmer mit Taxen in die verschiedenen Richtungen zurück, die einen zur Ausgangsbasis Argens, um ihr Auto abzuholen, die anderen zum Flughafen und einige noch für einen Verlängerungstag in die interessante „rosa Stadt“ Toulouse.

Erstes Fazit: Für viele war es der erste Hausboot-Törn, allen hat es gefallen und jeder konnte rasch auch ohne Führerschein und Vorkenntnisse diese doch recht großen und bequemen Boote fahren. Mit 65 Schleusen war die rund 145 km lange Strecke recht abwechslungsreich, aber mit Pausen und Besichtigungen sollte man nicht viel mehr als 20-30 km pro Tag ansetzen.
Das Fernseh-Team der ARD-Sendereihe „Fernweh“ (BR) mit Friedhelm Brebeck und Sepp Wöhrmann als Kameramann wird die Erlebnisse in ihrer Fernsehreportage festhalten, über den Sendetermin werden wir unsere Newsletter-Abonnenten rechtzeitig informieren.

Weitere Erfahrungen und Details sowie Kontakte geben wir gern an Leser weiter, die sich für einen Hausboot-Törn auf dem Canal du Midi interessieren. Der nächste Termin für einen weiteren „Wein- und Gastrotörn“ per Hausboot Canal du Midi - Camargue geht über Pfingsten, 11.-18.6.2011 von Hombs (südl. Carcassonne) bis Carnon (bei Montpellier). Bisher sind 2 Boote gebucht, ein (weiblicher) Einzelplatz ist noch frei, Selbstfahrer können sich gern mit einem kompletten Boot je nach Verfügbarkeit anschließen.